Die Leichtathletik-WM in Moskau ist vorbei und was bleibt? Vier goldene Medaillen für die deutsche Mannschaft, ein gefeierter Sprint-Star und ein fader Beigeschmack.

Die Sportlerinnen und Sportler feierten ihr neben den olympischen Spielen größtes Fest. Im Schatten der sportlichen Ereignisse verläuft eine hitzige Diskussion über die jüngste russische Gesetzgebung. Kurz bevor der jamaikanische Sprinter Usain Bolt der erfolgreichste Teilnehmer an Leichtathletik Weltmeisterschaften aller Zeiten wurde stellte die russische Regierung die „Homosexuellen-Propaganda“ unter Strafe. Dies führte dazu, dass die schwedische Hochspringerin Emma Green Tregaro ihren stillen Protest, die regenbogenfarbige Lackierung ihrer Fingernägel, nicht öffentlich zeigen durfte. Die Sportlerin musste ihre Fingernägel umlackieren und durfte ihrem Prostest keinen weiteren Ausdruck verleihen, so die Anweisungen des Leichtathletik-Weltverband IAAF, der sie zusätzlich verwarnte.

Nun stellt sich die Frage, wie sehr sportliche Ereignisse politisiert werden dürfen. Wie weit dürfen die Einschränkungen in einem Land gehen, das Gastgeber für internationale Sportfestlichkeiten ist? Für Fabian Eicker, Beisitzer im Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Sachsen-Anhalt, verläuft die Grenze dort, wo eine Achtung der Menschenrechte nicht mehr gewährleistet ist: „Auch wenn die Diskriminierung nicht-heterosexueller Lebensgemeinschaften in Russland schon an sich verabscheuungswürdig ist, so wird zumindest dort die Grenze überschritten, wo das Recht auf freie Meinungsäußerung in erheblichem Maße eingeschränkt wird. Die internationale Staatengemeinschaft hat nun bei den kommenden olympischen Spielen die Chance deutlich zu zeigen, dass sie sich von einzelnen Regimen nicht den Mund verbieten lässt.“
Die Landessprecherin Jennifer Breuste ergänzt: „Bei den olympischen Winterspielen in Sotschi im nächsten Jahr müssen insbesondere die Sportverbände ein klares Zeichen für Toleranz und gegen Diskriminierung setzen. Die russische Gesetzgebung tritt die Menschenrechte mit Füßen! Der Sport muss sich dagegen wehren anstatt sich daran mitschuldig zu machen.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Chance wahrgenommen wird, ist denkbar gering. Jaques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), kündigte eine strikte Durchsetzung der Regel 50 der Olympischen Charta an. Diese verbietet „politische, religiöse und rassistische Propaganda“ während der Spiele. Solidaritätsbekundungen mit Homosexuellen sind nach Rogge unter diese Regel zu subsumieren. Dass der Athlet so zum entmündigten Objekt der globalen Unterhaltungsmaschinerie degradiert wird, wie Grit Hartmann in der Zeit schreibt, scheint niemanden zu stören.